Hartz landet in Görlitz

erschienen in: Sächsische Zeitung vom 30. August 2003

Jörg Beutel ist auf Jobsuche. Das teilt er mit Tausenden in der Region. Aber Jörg Beutel sucht die Jobs für andere. Seit einigen Wochen leitet er die erste Personal-Service-Agentur (PSA) in Görlitz. Damit ist ein wichtiges Element aus dem „Hartz-Konzept" auch in Görlitz angekommen. Für Beutel ist die Vermittlung zwischen Arbeitskräften und Firmen kein Neuland. Seine Firma IC TEAM hat nun acht Filialen, allesamt in Sachsen.
Aus der Geschäftsstelle in der Bautzener Straße sollen bis November 40 neue Arbeitskräfte für die Branche vermittelt werdert, die sich in Görlitz am dynamischsten entwickelt: Call-Center. Auch Bürokräfte soll J. Beutel mit seinem Team in Lohn und Brot bringen. Die Interessenten dafür schickt das Arbeitsamt der Pesonal-Service-Agentur. Dort werden die Leute für ein Dreivierteljahr angestellt, erklärt Jörg Beutel. Zumindest in dieser Zeit verschwinden sie aus der Arbeitslosenstatistik. Und wenn die Agentur Erfolg hat, dann sind diese Menschen auch längerfristig wieder fest im Boot.
„Für uns war das IC TEAM der günstigste Anbieter", bestätigt Eberhard Nagel, Leiter des Görlitzer Arbeitsamtes. „Zum Erfolg können wir derzeit wenig sagen. Dazu ist die Görlitzer PSA noch zu jung."
Nagel räumt ein, dass die Idee des VW-Managers Peter Hartz umstritten ist. Schließlich sei der Unterschied zwischen einer normalen Zeitarbeitsfirma und einer Personal-Service-Agentur schwer zu erkennen, geschweige denn zu vermitteln. „Arbeitskräfte sollen wieder integriert werden und der Arbeitsmarkt entlastet werden", sagt Nagel. 50.000 Arbeitskräfte wolle die Bundesregierung durch PSA wieder in den Arbeitsmarkt einbinden. Der häufige Umschulungs-Marathon soll reduziert werden. Damit das funktioniert, müssen die Agentur und das Arbeitsamt gut zusammenarbeiten. Denn die Behörde ist weiter in der Pflicht, möglichst geeignete Kandidaten an die PSA zu vermitteln.
Dass dies in der Startphase nicht immer klappte, war erst dieser Tage das Thema einer Besprechung vor Ort. „Wir bekamen vom Arbeitsamt manchmal die falschen Leute, die nicht zu unseren zu vermittelnden Berufen gehörten", erklärt Beutel. „So hatten wir hier schon Leute, die noch nie vor einem Computer saßen oder noch nie im Call-Center tätig waren.", erzählt der Geschäftsführer des IC TEAMs.
Für konkrete Einsätze können die Zeit-Arbeiter gleichwohl geschult werden. Beim IC TEAM gibt es dafür einen Schulungsraum mit Computern und Telefonen. Wenn alles gut geht, sind die Zeitarbeiter häufig im Einsatz, um etwa im Krankheitsfall eine Lücke in einem Call-Center oder in einem Büro zu schließen. So können die Arbeitssuchenden über die PSA schrittweise wieder in die Berufspraxis einsteigen. Sie lernen potenzielle Arbeitgeber kennen - und die Arbeitgeber lernen sie als mögliche Mitarbeiter kennen. „So kommt man direkt in Kontakt, und die Arbeitslosen können schneller in den ersten Arbeitsmarkt zurückgeführt werden", erklärt Beutel. Gelernte Bürokräfte oder CallCenter-Agents können auf dem Arbeitsamt darauf hinweisen, dass man Kontakt zu der Görlitzer PSA haben möchte.

 

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