Nach Aktionstag gleich aufs Gerüst

erschienen in: Freie Presse Chemnitz vom August 2006

Glauchauer Steve Müller arbeitet jetzt wieder als Maler

Vor knapp einem Monat fand in Lichtenstein erstmals ein „Aktionstag gegen Jugendarbeitslosigkeit“ statt. 600 junge Leute haben sich damals informiert. Zu denen, die einen Job gefunden haben, gehört Steve Müller aus Glauchau.

„Ich dachte zunächst: Was ist denn das für ein Mist?“, erinnert sich Steve Müller aus Glauchau an den ersten Blick auf die Einladung zum Aktionstag in das Technologieorientierte Dienstleistungsunternehmen (TDL) in Lichtenstein. Weil der gelernte Maler seit Ende 2005 auf Arbeitssuche war, wollte er aber die Möglichkeit nicht ungenutzt lassen. Und siehe da: Am Stand des Arbeitsvermittlers Euregio Wirtschaftsservice GmbH bekam er eine Stelle angeboten.
Eine Woche später stand er zum ersten Mal für die Chemnitzer Firma IC TEAM mit dem Pinsel auf dem Gerüst. „Der Steve macht sein Zeug. Wir wollen ihn gern behalten“, beschreibt seine Chefin Dorit Fellmer die ersten Eindrücke. Derzeit muss der 22-jährige die Malerarbeiten in einem Kindergarten auf dem Sonnenberg in Chemnitz durchführen. „Ich bin glücklich, das ich wieder arbeiten und Geld verdienen kann“, sagt der junge Mann, der seine Ausbildung bei der Glauchauer Berufsförderung (GBF) absolviert hatte.
Für die Arbeit nimmt Steve Müller, der kein eigenes Auto hat, einiges auf sich. Früh kurz nach 5 Uhr fährt er mit dem Zug von Glauchau nach Chemnitz. „Er ist bis jetzt immer mindestens eine Viertelstunde vor Dienstbeginn da gewesen“, lobt Dorit Fellmer. Nicht selten kommt es vor, dass der Maler erst gegen 19 Uhr am Bahnhof in Glauchau wieder in den Zug steigt. „Leider ist es nicht bei allen Jugendlichen, die arbeitslos sind, so eine Bereitschaft vorhanden“, besangen Steffen Würkers Erfahrungen, er ist von der Firma Euregio. Er macht deutlich, dass er sich auch durch das persönliche Schicksal von Steve Müller für ihn eingesetzt hatte. 2005 arbeitete der Maler in der Schweiz. Am Jahresende musste er seinen Job aufgeben, weil seine Freundin Jacqueline in Glauchau im fünften Monat ihr Baby verloren hatte. Die Arge Chemnitzer Land als Initiator des Aktionstages konnte gestern nicht sagen, wie viele Jugendliche durch die Veranstaltung vermittelt werden konnten.

 

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