Politiker sammelt bei Kurzpraktikum Einblicke

Klaus-Peter Schulze besucht Lausitzer Zeitarbeitsfirma

erschienen in: Lausitzer Rundschau vom 01. September 2015
von Andrea Hilscher

Der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze ist bekannt dafür, dass er sich ins praktische Leben begibt, um daraus politische Erkenntnisse zu ziehen. Jetzt war er für ein paar Stunden zu Gast in einer Lausitzer Zeitarbeitsfirma - und hat dabei viel gelernt.

Cottbus. Zeitarbeit, das ist ein Wort mit schlechtem Beigeschmack. Leiharbeit wird oft in einem Atemzug mit Ausbeutung und miesen Löhnen genannt. Dennoch: Das Geschäft mit der Personalvermittlung boomt seit Jahren. Um sich über die Branche zuinformieren, war der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze (CDU) jetzt zu Gast beider Firma „IC Team Personaldienste GmbH" in Cottbus. Die Firma hat ihren Hauptsitz in Bautzen, betreibt 20 Niederlassungen in Sachsen und Brandenburg – und straft so manches Vorurteil Lügen. Vielleicht deshalb, weil die beiden Firmenchefs sich selbst „von ganz unten“, eben aus Zeitarbeiterjobs, nach oben gearbeitet haben.

Enrico Paul, einer der beiden Firmengründer, ist lange vor der Wende über Ungarn in den Westen geflüchtet, hat dort jahrelang für Zeitarbeitsfirmen inverschiedenen Autowerken gearbeitet. „Als junger Mensch fand ich das toll, viele verschiedene Betriebe kennenzulernen“, erinnert er sich. Paul wechselte irgendwann in die Verwaltung der Zeitarbeitsfirma.

Inzwischen war auch sein Jugendfreund Jörg Beutel in Bayern angekommen und hatte sich Enrico Paul angeschlossen. Nach der Wende brach der Arbeitsmarkt in ihrer früheren Heimat Bautzen zusammen, und so fingen die beiden an, junge Facharbeiter aus Sachsen nach Bayern zu holen und sie dort in Arbeit zu bringen. Irgendwann lag der Gedanke nahe, zurück nach Bautzen zugehen und sich dort zu etablieren. Die ersten Jahre seien hart gewesen, sagen beide, doch inzwischen haben sie 20 Filialen in Sachsen, Brandenburg und Berlin aufgebaut. „Wir haben rund 1000 Mitarbeiter“, sagt Jörg Beutel, viele davon sind schon seit Jahren und Jahrzehnten beiuns.“

Die „IC Team“ vermittelt hauptsächlich Arbeitskräfte im gewerblichen Bereich. Enrico Paul: „Wir konzentrieren uns dabei auf Unternehmen, die im Tagespendelbereich liegen, damit die Mitarbeiter abends wieder nach Hause fahren können.“ Der Fachkräftemangel sei im Bereich der Personalvermittlung früher angekommen als in anderen Unternehmen. „Wir müssen uns einiges einfallen lassen“, so Jörg Beutel.

Er selbst ist oft im benachbarten Ausland, um dort Facharbeiter zu werben. „Die Leute sind ausgezeichnet ausgebildet und hoch motiviert.“ Daher kommen inzwischen rund zehn Prozent der IC-Mitarbeiter aus dem Ausland. In Zusammenarbeit mit den Jobcentern und Arbeitsagenturen bemühen sich die Vermittler darum, neue Mitarbeiter zu gewinnen und zu qualifizieren. „Wir haben Mitarbeiter: sehr gute Erfahrungen mit älteren Mitgründer einer Arbeitnehmern die sonst kaum noch eine Festanstellung finden“, sagt Enrico Paul.

Junge Menschen ohne ordentliche Ausbildung seien oft schwer zu motivieren. „Denen bieten wir oft eine 14-tägige Kurzqualifikation an, um sie wieder an den Arbeitsrhythmus zu gewöhnen.“ Sogar Fahrdienste richtet der Personalvermittler ein, da viele Bewerber aus der Arbeitslosigkeit kommen und keinen eigenen Pkw mehr haben.

Im Raum Bautzen ist die IC Team als Ausbilder im Kunststoffbereich aktiv, die jungen Lehrlinge werden später von den dortigen Betrieben übernommen. „Aber durch uns bekommen sie Einblicke in viele unterschiedliche Firmen und sind dadurch flexibel und gut qualifiziert“, sagen die Firmenchefs.

Ihr „Praktikant“ Klaus-Peter Schulze hört mit großem Interesse zu, will Details über Löhne, Arbeitsschutz und Tarifbestimmungen erfahren. „Ich habe hier wirklich viel Neues gelernt“, sagt der Politiker. Ziel sei es immer, Menschen in Festanstellung zu bringen. Die Zeitarbeit scheint dafür nicht der schlechteste Weg.

zurück