„Wir wollen mit jedem Disponenten beim Kunden sein“

Dienstag, 22. Januar 2019 |

Susanne Tittmann und Alexander Dlabola sind Fachkräfte für Arbeitssicherheit beim IC TEAM. Beide waren vor dieser Tätigkeit jahrelang in der Disposition tätig.

Seit dem 1. Januar 2019 ist Susanne Tittmann neben Alexander Dlabola als Fachkraft für Arbeitssicherheit (FASI) beim IC TEAM tätig. Im Interview Ende 2018 sprachen beide über Gefahren und Unfälle am Arbeitsplatz, ihre Ziele 2019 und wie sie zu Hause für Sicherheit sorgen.

Wie sicher fühlen Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz?

ST:  Ich fühle mich sicher, da mein Arbeitsplatz den notwendigen Vorgaben entspricht.

AD: Ist bei mir ähnlich. Ich habe jetzt noch ein kleines Problem mit der Beleuchtung bei uns im Büro, da dort der Arbeitsplatz nicht optimal positioniert ist, aber das lässt sich im Augenblick nicht grundlegend ändern. Zum Glück haben wir ja eine Beschattung. Ansonsten ja, ich fühle mich sicher.

Ich frage, weil Sie ja sicher auch Ihren eigenen Arbeitsplatz und nicht nur den von den Kollegen prüfen.

ST: Sind nicht Schusters Leisten immer die schlechtesten (lacht)?! Man muss sich auf den eigenen Arbeitsplatz erstmal besinnen. Aber mein jetziges Büro ist so gestaltet, dass das passt.

Es heißt ja korrekt Fachkraft für Arbeitssicherheit. Was macht denn eine Fachkraft für Arbeitssicherheit?

AD: Aufgabe der Fachkraft für Arbeitssicherheit ist es, die Unternehmensführung zu beraten in allen fachlichen Dingen, was den Arbeits- und Gesundheitsschutz der Mitarbeiter betrifft und im Unternehmen mit offenem Auge zu schauen, wo gibt’s Probleme oder Verbesserungsmöglichkeiten, worauf muss geachtet werden. Insbesondere auch, wenn Neuanschaffungen zu tätigen sind, dass dort auf eine sicherheits- und gesundheitsgerechte Ausstattung geachtet und immer wieder auf gesundheitsgerechtes Verhalten hingearbeitet wird. Dort sehen wir eine große Aufgabe bei uns im IC TEAM. Wir wollen unsere Mitarbeiter in der Disposition befähigen, uns zu unterstützen sowie die Vorgaben aus dem Arbeitsschutzgesetz einzuhalten und umzusetzen und sich für ihre anvertrauten Mitarbeiter, die bei unseren Kunden arbeiten, einzusetzen. Sich darum zu kümmern, dass sie unter vernünftigen Bedingungen und sicherheitsgerecht eingesetzt sind sowie die erforderliche Sicherheitsausstattung bekommen.

ST: Der spezielle Aspekt in der Zeitarbeit ist, dass wir nicht nur einen Produktionsstandort haben, sondern Geschäftsstellen und die Einsatzfirmen unserer externen Mitarbeiter an verschiedenen Standorten. 2019 wollen wir uns verstärkt in den Geschäftsstellen einbringen, um unsere Kollegen vor Ort zu unterstützen. Dies soll aber nicht nur in den Büros, sondern vor allem bei den externen Einsätzen geschehen.

 

"Ein großes Augenmerk liegt auf unsicheren Situationen oder Beinaheunfällen."

 

Verstehen die Kunden und Ihre eigenen Kollegen und Mitarbeiter immer, was Sie von ihnen möchten und warum das jetzt wichtig ist, was sie vorgeben und vorschlagen?

ST: Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem wie viel sie schon mit Arbeitsschutz zu tun haben bzw. wie sie selbst im Arbeitsschutz aufgestellt sind. Bei einem Handwerker mit einem Gesellen muss man oft viel Aufklärungsarbeit vor Ort leisten. Bei einem größeren Industrieunternehmen, vielleicht sogar mit einer eigenen internen FASI oder einem externen Dienst als FASI, ist man einfach unterstützend tätig und schaut, ob es irgendwo blinde Flecken gibt, die bis jetzt noch nicht in Erscheinung getreten sind. Da ist aber das Verständnis ein ganz anderes für Arbeitsschutz. Hier muss man nicht darüber diskutieren, ob Helm oder Schutzbrille aufgesetzt werden.

Gibt es noch weitere Beispiele für Ihren Arbeitsalltag?

AD: Ein ganz banales Beispiel ist, bei uns in den Büros zu schauen, ob die Beleuchtung stimmt, ob die Mitarbeiter richtig sitzen, ob Arbeitsmittel defekt sind und ausgetauscht werden müssen und so was dann auch einzufordern und zu unterstützen. Bei den Einsatzstellen der Mitarbeiter schauen wir zum Beispiel, ob geeignete PSA (persönliche Schutzausrüstung) vorhanden ist, ob Absperrungen fehlen oder die Mitarbeiter ein unsicheres Gefühl haben. Ein großes Augenmerk liegt auf unsicheren Situationen oder Beinaheunfällen, solche Dinge zu erkennen, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, dass sie diese wahrnehmen und auch melden. Es nehmen viele wahr, machen aber nichts bis irgendwann ein Unfall passiert. Und das ist ein großes Thema.

ST: Es geht darum, ein Bewusstsein für Arbeitsschutz, für riskante Situationen, für potenzielle Gefahren zu entwickeln. Außerdem überarbeiten wir unsere eigenen Dokumente zur Arbeitsschutzunterweisung, zu Unfallanzeigen oder wir entwickeln neue Dokumente wie die LMRA-Karten (Last-Minute-Risk-Analysis).

AD: Und wir beraten unsere Geschäftsleitung zu neuen Richtlinien im Gesundheits- und Arbeitsschutz und bilden uns dort weiter, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.

Wo kommen diese Richtlinien her?

AD: Da arbeiten viele dran. Es gibt zum Beispiel den Verband der Berufsgenossenschaften und ganz viele andere Organisationen, die sich mit Arbeits- und Gesundheitsschutz beschäftigen und die Untersuchungen anstellen, wo Messungen, Auswertungen, Unfallgeschehen und Daten aus dem ganzen Bundesgebiet zusammenlaufen. Die Berufsgenossenschaften prüfen dann immer wieder vorhandene Richtlinien und schauen, ob etwas angepasst werden muss.

Und die IC TEAM Personaldienste GmbH ist verpflichtet, diese Richtlinien umzusetzen?

AD: Ja.

 

"Es ist schön, in derselben Firma ein anderes Tätigkeitsfeld zu bekommen und seine Erfahrungen sowie neues Wissen einzubringen."

 

Warum sind Sie FASI geworden?

AD: Weil mich das Thema schon immer interessiert. In meiner Tätigkeit als Geschäftsstellenleiter war ich viele Jahre damit betraut, die Mitarbeiter vor Ort bei den Kunden zu betreuen, war für die Einweisung und die Ausrüstung unserer Kollegen zuständig und das ganze Thema hat mich interessiert. Es hat mir auch Spaß gemacht, da etwas tiefer hineinzuschauen bei der PSA und mal weiter zu fragen, Verschiedenes herauszufinden, mal Schutzbrillen oder Handschuhe zu testen, um wirklich die passenden zu finden, um die Unfallgefahren zu minimieren und es hat auch Spaß gemacht, die Ergebnisse zu sehen. Das war für mich eine Perspektive nach den vielen Jahren in der Disposition, in der Praxis draußen und als Geschäftsstellenleiter, mich persönlich mit einem anderen Thema neu zu befassen. Das war der Anreiz für mich.

Der Lohn der Arbeit ist die Statistik, wenn die Unfallzahlen sinken?

AD: Könnte man so sagen. Das ist aber nur eine Seite der Medaille, die andere sieht man leider nicht. Meine Aufgabe ist es ja, Arbeitsunfälle im Vorfeld zu verhindern und wie will ich Arbeitsunfälle erfassen, die nicht passiert sind? Deswegen ist es natürlich ein Ergebnis, wenn möglichst wenige Arbeitsunfälle passieren, aber auch wenn die Mitarbeiter sich an den Arbeitsstellen wohlfühlen und ein sicheres Gefühl haben. So wie Sie uns anfangs gefragt haben: Fühlen Sie sich sicher?

ST: Und dass sie nicht so lange zögern wie wir gerade (alle lachen), sondern dass sie sich einfach bewusst sind: Ich bin sicher am Arbeitsplatz. Wichtig ist, dass wir nicht nur als Ansprechpartner für unsere internen Kollegen da sind, sondern dass sich auch die externen Mitarbeiter draußen sicher fühlen bei den Jobs, die sie machen. Das ist einfach ein großer Punkt, der sich in den Jahren als Personaldisponentin gezeigt hat und das macht auch einen Unterschied zu den Wettbewerbern.

Frau Tittmann, warum haben Sie die Ausbildung zur FASI gemacht?

ST: Es ist ähnlich wie bei Herrn Dlabola. Ich bin jetzt fast dreizehn Jahre Personaldisponentin beim IC TEAM. Es war einfach Zeit, etwas Neues zu tun und der Anreiz war für mich der gleiche: eine neue Perspektive zu finden, aber sich nicht extern orientieren zu müssen. Es ist schön, in derselben Firma ein anderes Tätigkeitsfeld zu bekommen und seine Erfahrungen sowie neues Wissen einzubringen.

Bernhard Schmitt, Geschäftsstellenleiter in Würzburg, ist ebenfalls FASI, betreibt das aber vor allem als Dienstleistung für Kunden, sodass Sie, Herr Dlabola, für unsere internen und externen Mitarbeiter fast allein zuständig sind, seitdem der ehemalige Abteilungsleiter Arnfried Schurig im Frühjahr in Rente gegangen ist. Warum ist Frau Tittmann als FASI dazugekommen?

AD: Wir haben eine gewisse Firmengröße erreicht anhand der Mitarbeiterzahlen und es gibt festgelegte Quoten der Betreuung durch Arbeitsmediziner und FASIs. Diese Betreuungsquoten, sind mit einer Person, gerade auch bei unserer Filialstruktur, nicht mehr abzudecken. Und da unser Unternehmen bestrebt ist weiter zu wachsen, ist einfach die Notwendigkeit da, eine zweite Fachkraft einzusetzen, da wir außerdem für das Qualitätsmanagement verantwortlich sind. Es gibt also einen großen Bedarf und dadurch die Möglichkeit für Frau Tittmann sich zu verwirklichen. Wir sind dabei, uns die Gebiete so aufzuteilen, dass wir die Betreuung unserer Filialen weitestgehend im Bereich eines Tagespendlers übernehmen können.

Welche Ziele haben Sie für 2019?

AD: Wir wollen mit jeder Geschäftsstelle mehrmals im Jahr bei der Betreuung der Kunden vor Ort unterwegs sein.

Weil das bislang zu kurz gekommen ist?

Beide: Ja.

AD: Es hat fast gar nicht stattgefunden, weil es zeitlich nicht möglich war.

ST: Herr Schurig hatte bereits angefangen, einmal im Jahr in jeder Geschäftsstelle vor Ort zu sein, aber das war zeitlich allein nicht mehr machbar. Ziel ist es, dass wir mit jedem Disponenten draußen sind und dass dort Fragen an einem gemeinsamen Außendiensttag oder im Büro zur Sprache kommen, die sonst vielleicht nicht gestellt werden, dass also eine echte Betreuung stattfindet.

AD: Dort geht’s also wirklich um die Befähigung der Disponenten, zu analysieren, zu bewerten, Gesprächstechniken einzuüben, damit sie in der Lage sind, sich um Sicherheit und Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter zu kümmern.

Was waren die häufigsten Unfallursachen, Unfälle und Gefahren 2018?

AD: In der aktiven Tätigkeit der Mitarbeiter draußen sind es oft Handverletzungen wie Schnitte oder Quetschungen sowie Verletzungen der Augen. Da haben wir eine recht hohe Quote und dort gibt es Verbesserungspotenzial.

Woran liegt das?

AD: Unachtsamkeit und unpassende Schutzausrüstung. Da geht’s also los mit ungeeigneter Schutzbekleidung oder -ausrüstung, die nicht getragen wird und dort müssen wir die Mitarbeiter für das Thema sensibilisieren. Viele hatten ja schon etliche Arbeitsschutzunterweisungen in ihrem Leben in unterschiedlicher Qualität, aber dort für noch mehr Bewusstsein zu sorgen, ist ein Ziel, was fortlaufend gilt.

ST: Es sind weniger die ganz großen Dinge, die passieren, sondern viele kleine Sachen, die zum Teil aus fehlenden Schutzmaßnahmen und zum Teil aus Unachtsamkeit der Mitarbeiter resultieren. Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter hat während seiner Arbeit die ganze Zeit eine Arbeitsschutzbrille getragen, setzte sie ab, trug aber noch seine Handschuhe, wischte sich über sein Gesicht und hat sich so einen Metallspan vom Handschuh ins Auge gerieben. Das hätte nicht passieren müssen.

Viele Menschen können Ihren Beruf nach Feierabend nicht komplett ausblenden. Sind Sie zu Hause auch eine FASI und achten auf Sicherheit oder „schulen“ Sie Ihre Familie?

AD: Das Bewusstsein wächst mit der Zeit, wo man da aktiv ist. Es gibt schon Dinge, die mir auffallen, wo ich sonst nicht drauf geachtet hätte und das wird sich wahrscheinlich noch weiter ausprägen. Bei meinem Sohn achte ich darauf, dass er entsprechende Schutzkleidung trägt.

ST: Bei mir selbst achte ich weniger darauf, aber mein Partner hat eine Drechslerei mit vielen Maschinen, Sägen, einer Drechselbank. Da ist ordentlich Lärm und da ist Staub und ich gehe schon mal schauen, ob er Schutzbrille und Gehörschutz trägt.

Und?

ST: Ja, trägt er. Bei mir sind es also eher die Anderen, die ich ein bisschen beobachte, aber es stimmt: Der Blick auf den Arbeitsschutz hat sich verändert.

Ich bedanke mich für das Gespräch. (Das Interview führte David Berndt, Redakteur beim IC TEAM.)